Verbands-Neuigkeiten

lhoseit8. März 2023Als SmF-Bundesverband haben wir uns gemeinsam mit dem Ortsverein Köln am 07. März 2023 an der weltweiten Frauenprotestbewegung der Europäischen Organisation für Integration beteiligt und gegen Geschlechter-Apartheid in Afghanistan demonstriert. Der Protestmarsch, welcher anlässlich des Internationalen Frauentages bereits am 5. März in Berlin begonnen hat, ist eine starke Stimme für die Welt, damit Frauen in Afghanistan inmitten der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht vergessen werden. Frauen in Afghanistan sind vom Berufsleben ausgeschlossen, dürfen nicht zur Schule gehen und werden von jeglicher Bildung und Entwicklung abgeschnitten. In Afghanistan gibt es für Frauen keine Freiheiten. Im Rahmen unseres Präventionsprojektes haben wir 2023 ein neues Maßnahmenpaket geschnürt, mit welchem wir gezielt afghanische Frauen und Mädchen in ihrer gesellschaftlichen, sozialen und politischen Teilhabe an unserer pluralistischen Gesellschaft unterstützen. Wir beschäftigen uns bundesweit an zehn Standorten mit der Lage, der Geschichte und den Herausforderungen afghanischer Frauen, um ihre Situation besser verstehen zu können. „Frauen sind stark. Wir müssen sie nicht stark machen. Wir müssen sie nur manchmal auf ihre Stärken aufmerksam machen. Das ist unser Ziel. Indem wir voneinander wissen und uns gegenseitig unterstützen, können wir gemeinsam in Solidarität die Welt verändern“, rief Halide Özkurt, stellvertretende Vorsitzende des SmF-Bundesverbandes und Leiterin des Projektes „Frauen stärken Frauen“ im Rahmen ihres Wortbeitrages bei der Kundgebung am Roncalliplatz in Köln. Unsere Solidarität gilt den Frauen in Afghanistan, die sich zusammengeschlossen haben und für ihre Forderungen nach politischer und sozialer Teilhabe kämpfen. Das Präventionsprojekt “Frauen stärken Frauen” (FsF) wird gefördert von der Bundesbeauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge und Bundesbeauftragten für Antirassismus und bundesweit an insgesamt zehn Standorten des SmF-Bundesverbandes durchgeführt und umgesetzt. Hier geht es zur Aufzeichnung der Kundgebung. [...]
lhoseit8. März 2023Am Internationalen Frauentag und darüber hinaus, fordern wir vom SmF-Bundesverband Gerechtigkeit! Das Kampagnenthema des diesjährigen Internationalen Frauentages lautet #EmbraceEquity und zielt darauf ab, darüber zu sprechen, warum Chancengleichheit nicht genügt und mehr Gerechtigkeit erforderlich ist. Vor unserem Schöpfer sind wir Menschen gleichwertig und vielfältig. Die Vielfältigkeit ist fest verankert in unserem Geschlecht, unserem Aussehen und unseren Fähigkeiten. Wir alle tragen Verantwortung für unser Handeln, für unsere Mitmenschen und für unsere Umwelt. Wir können das Gleichgewicht unserer Umwelt aufrechterhalten und die natürliche Umwelt für alle Lebewesen erhalten. Wir können mehr Gerechtigkeit schaffen und damit auch mehr Lebensqualität und mehr Sicherheit. Dennoch sind wir uns bewusst, dass gerade Frauen noch immer nicht gleichberechtigt und fair behandelt werden: Noch immer arbeiten Frauen in schlecht bezahlten Berufen oder erreichen seltener eine Führungsposition. Noch immer erhalten Frauen ein geringeres Gehalt, obwohl ihre Tätigkeit, ihr Bildungsweg und ihre Erwerbsbiografie gleichwertig sind. Noch immer erleiden durchschnittlich 13 Frauen pro Stunde Gewalt in ihrer Partnerschaft. Noch immer wird Frauen in einigen Gesellschaften das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt. Noch immer sind Frauen die Leidtragenden in den Bereichen Flucht und Migration Und: noch immer sind Frauen Spielball kultureller und religiöser Konflikte. Um gegen diese Ungerechtigkeiten vorzugehen, fokussieren wir uns auf unsere Stärken und Fähigkeiten und nehmen uns der Verantwortung an, stets gerecht zu Handeln. Wir alle können Gerechtigkeit annehmen. Aber: Gerechtigkeit ist nicht nur etwas, worüber wir schreiben oder zu dem wir aufrufen. Es ist etwas, worüber wir nachdenken und was wir annehmen müssen. Gerechtigkeit bedeutet, eine integrative Welt zu schaffen und das, für alle Frauen. Jede:r von uns kann etwas zur Gerechtigkeit beitragen. Wir alle können Geschlechterstereotype in Frage stellen, Diskriminierung anprangern und auf Vorurteile aufmerksam machen. Die Gleichstellung der Geschlechter beschränkt sich dabei nicht nur auf die Beteiligung von Frauen. Jede:r Verbündete ist wichtig für die soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Unterstützung von allen Frauen. Denn: Nur gemeinsam können wir die positiven Veränderungen herbeiführen, die wir uns wünschen. [...]
lhoseit23. Februar 2023Am 22. Februar 2023 traf sich unsere Bundesvorsitzende, Ayten Kılıçarslan gemeinsam mit Vertreter:innen der neue deutsche organisationen und Migrant:innenorganisationen zur Gesprächsrunde mit Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In Berlin hatten die teilnehmenden Organisationen die Gelegenheit, dem Bundesministerium für Familie, Frauen und Senioren (BMFSFJ) ihre Arbeitsbereiche zu präsentieren und ihre Anliegen vorzulegen.  “Wir wollen vor allem aber nicht ausschließlich die muslimischen Frauen und auch die Muslim:innen und Migrant:innen mit ihren Interessen und ihrem Engagement sichtbar machen. Oftmals wird ihnen die Chance verwehrt, verantwortungsvolle Aufgaben in der Wohlfahrtspflege zu übernehmen. Für diese Zielgruppen brauchen wir nachhaltige Strukturen”, sagte Kılıçarslan. Die Deutsche Islam Konferenz (DIK), zu dessen Mitgliedern auch das BMFSFJ gehört, hatte 2015 einige wichtige Prozesse angestoßen. Umgesetzt und durchgeführt wurden seit dem unter anderem Integrationsprojekte mit Geflüchteten, wie das SUEM-DIK und das Empowermentprojekt zur Wohlfahrtspflege mit den DIK-Verbänden. “Die Prozesse laufen noch nicht ganz rund”, sagte Kılıçarslan. Die Bundesvorsitzende nannte beispielhaft die Gestaltung eines Wohlfahrtssystems in einer pluralen Gesellschaft, den Aufbau einer muslimischen Wohlfahrt und die Öffnung der bestehenden Strukturen. “Aus diesen Prozessen erfolgen Maßnahmen und Förderungen, die neu justiert und deren Zielrichtung überprüft werden müssen”, sagt Kılıçarslan und schloss sich mit dieser Aussage der Forderung von Paus an, die einen Paradigmenwechsel ankündigte und eine Neujustierung der bestehenden Maßnahmen avisierte. Im Rahmen des Bundesprogramms Menschen stärken Menschen hat der SmF seit 2018 über 6.600 geflüchtete und sozialbenachteiligte Menschen mit der Hilfe von mehr als 1.200 Ehrenamtlichen begleitet. “Wenn es dieses Bundesprogramm nicht gäbe, hätte es neben den zweckgebundenen Tätigkeiten keinen nachhaltigen Strukturaufbau geben können”, sagte Kılıçarslan. Die Bundesvorsitzende fordert, dass Menschen stärken Menschen verstätigt und solche Programme als Chance für Migrant:innenorganisationen gesehen werden, da diese die Gesellschaft aus einer anderen Perspektive gestalten.  Große Lücken und Problemfelder sieht Kılıçarslan beim Frauenschutz. Noch immer werden viele Frauen, die von Gewalt betroffen sind, über die bisher bestehenden Maßnahmen nicht erreicht. Diese brauchen besondere Konzepte und einen sensibleren Umgang mit ihren Lebensumständen. “In Deutschland gibt es mehr als 320 Frauenschutzhäuser, aber keines davon ist unter muslimischer Trägerschaft”, bemängelte Kılıçarslan. Die Bundesvorsitzende lobte indes den Aufbau neuer Antidiskriminierungsberatungsstellen für Migrant:innenorganisationen. “Bisher mussten wir die Antidiskriminierungsberatung nebenbei bewerkstelligen ohne Förderung. Wir hoffen daher, dass wir und auch andere Organisationen, die auch hier oftmals mehrere Zielgruppen gleichzeitig erreichen, endlich eine Förderung erhalten.” Kılıçarslan verwies an dieser Stelle auf die Notwendigkeit des intersektionalen Handelns. Die gesellschaftlichen Strukturen gelte es zu überprüfen, da nur so die gleichberechtige Teilhabe aller gewährleistet werden könne.  Seit mehreren Jahren arbeiten Organisationen wie der Sozialdienst muslimischer Frauen partnerschaftlich mit dem BMFSFJ zusammen, um die zahlreichen Vorhaben und Programme des Bundesministeriums in den Bereichen Demokratie- und Engagementförderung, Familien- und Gleichstellungspolitik, Wohlfahrtspflege sowie Kinder- und Jugendpolitik umzusetzen. Zu den zentralen Vorhaben, an denen die Bundesregierung arbeitet, gehören etwa die Verbesserung der Chancengleichheit und gesellschaftlichen Teilhabe, die Weiterentwicklung der Demokratie- und Engagementförderung sowie die Stärkung des Diskriminierungsschutzes. Foto: Sebastian Rau [...]
lhoseit6. Februar 2023An Berliner Schulen darf weiblichen Lehrkräften das Tragen eines Kopftuches nicht länger pauschal verboten werden. Damit wird das umstrittene Neutralitätsgesetz in Frage gestellt, in welchem auch das Kopftuchverbot verankert ist. Das Neutralitätsgesetz hatte Lehrinnen und anderen Pädagoginnen an öffentlichen Schulen das Tragen religiöser Symbole untersagt. Einer Lehrerin muslimischen Glaubens sprach das Gericht eine Entschädigung von rund 5.159 Euro zu, weil sie wegen ihrer Religion diskriminiert worden sei. Ayten Kılıçarslan, Vorsitzende des SmF-Bundesverband mahnt die Politik dazu keine negativen Signale an die Gesellschaft und Privatwirtschaft zu senden. Das Tragen eines Kopftuches solle nicht als regelwidrig angesehen werden. “Die individuellen Entscheidungen von Frauen dürfen nicht in Frage gestellt werden. Als Wohlfahrtsverband spüren wir die Diskriminierung, die die öffentliche Debatte um das Kopftuchverbot bei unserer Zielgruppe auslöst.  Wir sehen, dass die Verbote im öffentlichen Dienst zu Diskriminierungen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt führen. Die Diskriminierungserfahrungen spüren die Betroffenen auch im Alltag.” So bewertet der SmF-Bundesverband die Aufhebung des Neutralitätsgesetztes als nicht ausreichend, aber als einen Schritt in die richtige Richtung. Für uns als Wohlfahrtsverband stellen sich darüber hinaus die folgenden Fragen: Wie gestaltet sich die Umsetzung der Aufhebung in den anderen Bundesländern? Wie können wir wirkungsvoll gegen solche Verbote vorgehen? Es sind unscheinbare Bemerkungen im Alltag, die Betroffenheit auslösen. Diskriminierung ist ein Thema, das immer und überall präsent ist und Aufarbeitung benötigt. Diskriminierung beginnt bei der offensichtlichen Zurückweisung aufgrund des Kopftuches, das gutgemeinte Kompliment über die Sprache oder Beschimpfungen aufgrund der Herkunft, Hautfarbe oder Religion. 2021 hat der SmF-Bundesverband zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche der sozialen Arbeit dazu aufgerufen, persönliche Botschaften für den Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier zu formulieren, welche anschließend in einem Mosaik der Vielfalt zusammengetragen und an den Bundespräsidenten herangetragen wurden. Der am häufigsten geäußerte Apell auf die Frage „Welche Veränderung wünschst du dir?“ richtete sich gegen die Diskriminierung von Frauen mit Kopftuch: „Ich wünsche mir keinen Rassismus, weder in der Schule noch auf der Arbeit. Mein Kopftuch bedeckt meine Haare und nicht mein Gehirn.“ Hier zeigt sich die Sorge, nicht als Individuum angesehen zu werden, obwohl dieses Land mit seinen Möglichkeiten anderes verspricht: „Deutschland ist ein demokratisches Land, deshalb möchte ich im Job mein Kopftuch tragen.“ Auch hier ist die Bereitschaft erkennbar, selbst etwas zu leisten, wenn am Ende die Anerkennung steht: „Ich möchte besser Deutsch können, damit ich einen guten Ausbildungsplatz bekomme. Dabei wünsche ich mir, dass mein Kopftuch keinen Ablehnungsgrund darstellt.“ Im selben Jahr hat der SmF-Bundesverband im Rahmen einer Studie ehrenamtliche Pat:innen und Mentees des Patenschaftsprojektes “Patenschaft- Praxis-Qualifizierung (PPQ) befragt. Diese gaben einen Einblick in ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung. Die Befragten berichteten von Ausgrenzung, Beleidigungen in der Öffentlichkeit, Benachteiligung in der Schule, am Arbeitsplatz, der Wohnungssuche und Angriffen auf offener Straße. Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erleiden vor allem Frauen, die ein Kopftuch tragen, überdurchschnittlich häufig Diskriminierung im Arbeitsleben. Diese Annahme bestätigte auch die Studie. Weder das Tragen noch das Ablegen eines Kopftuches sollte Frauen auferzwungen werden. Aus diesem Selbstverständnis heraus hat der SmF-Bundesverband auch die Proteste im Iran und anderen Ländern betrachtet. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit verschiedenen Expertinnen führte der SmF-Bundesverband ein Gespräch zum Thema Selbstbestimmungsrechte der Frau und gesellschaftliche Machtstrukturen und forderte ein stärkeres Bewusstsein für Frauen und ihr Recht auf Selbstbestimmung.     [...]
lhoseit3. Februar 2023Am Freitag, den 03. Februar 2023 weihte der Sozialdienst muslimischer Frauen Köln e. V. seine neuen Räumlichkeiten in der Nähe vom Barbarossaplatz ein. Die neuen Räumlichkeiten in der Weyerstraße 44-46 bezog der SmF Köln e. V. bereits 2022. Rund 200 qm stehen dem SmF Köln e. V. nun zur Verfügung. Vor Ort erhielten die Gäste einen Einblick in die laufenden Projekte des Ortsvereins, während sie von den Mitarbeitenden durch die einzelnen Räume geführt wurden.  Die neuen Vereinsräume sind hell, groß und modern möbliert. Gesprächskreise, Workshops und weitere Aktivitäten finden in geschützter und ruhiger Atmosphäre statt. Mit dem Mädchenraum wurde ein besonderes Highlight vor allem für die jungen Projektteilnehmerinnen geschaffen. Über die Wirkung und Bedeutung von eigenen Räumen weiß auch Alicem Polat, stellvertretender Bezirksbürgermeister der Stadt Köln. „Diese sind wichtig, um Menschen zu empowern, insbesondere Frauen und Mädchen, aber auch Jungen und Väter oder Menschen, die von Diskriminierung und Rassismus betroffen sind. Danke, dass Sie diese Räume ermöglichen.“ Als einer von insgesamt zehn Mitgliedsvereinen bietet der SmF Köln e. V. zahlreiche Angebote in den Bereichen Frauen-, Väter-, Kinder- und Jugendarbeit sowie Familienförderung in Köln und Umgebung an. „Köln ist bunt und vielfältig. Das wird sich auch in der Gestaltung unserer Angebote widerspiegeln. Wir laden alle Menschen ein in und um Köln mitzuwirken“, sagte Ayten Kılıçarslan, Bundesvorsitzende des SmF. Hier geht es zum Jahresplan des SmF Köln e. V. [...]
lhoseit30. Januar 2023Halide Özkurt, stellvertretende SmF-Bundesvorsitzende und Vertreter:innen des Forum Muslimische Zivilgesellschaft NRW treffen sich heute mit Josefine Paul, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes NRW (MKJFGFI) für ein gemeinsames Gespräch in Düsseldorf. Am 20. Januar 2023 organisierte das FORUM den Fachtag „Geschlechterrollen – muslimische Perspektiven“, an welchem rund 150 Teilnehmer:innen teilgenommen hatten. Die Mitglieder des Forums Muslimische Zivilgesellschaft erwarten eine Fortführung des Gesprächs ohne brückenbauende Personen. Bei der Konstituierung des „Forum muslimisches Engagement“ am 01. Juli 2019 hatte das damalige MKFFI drei Fachforen angekündigt: „ Im Fachforum Innermuslimischer Diskurs werden Musliminnen und Muslime aus vielfältigen Organisationen zusammenkommen und sich Gedanken über die Ausgestaltung des ‚Forums muslimische Zivilgesellschaft‘ der Koordinierungsstelle machen, das als Plattform für den innermuslimischen Dialog gedacht ist und dazu dienen soll, Themen aus der muslimischen Zivilgesellschaft an die Landesregierung heranzutragen“. Bei der Gründung folgte das MKFFI dem Beispiel der Bundesregierung bei der Deutschen Islamkonferenz (DIK). Diese wollte die muslimische Bevölkerung des Landes kommunikationsfähiger machen und sie aktiver in die gesellschaftlichen Diskurse einbinden. Zur Wahrung der Unabhängigkeit in der inhaltlichen und methodischen Ausrichtung, haben wir ein Konzeptpapier vorgelegt und den Wunsch nach aktiverer Beteiligung von Muslim:innen an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen geäußert. Unser Anliegen war es, dass alle zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich als muslimisch definieren, die Möglichkeit erhalten, thematische Schwerpunkte zu erarbeiten und der Landesregierung Handlungsempfehlungen auszusprechen. Der SmF-Bundesverband und weitere zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich im Forum einbringen und Vorschläge erarbeitet haben, warten noch auf eine Reaktion. Wir sind gespannt, welche Handlungsvorschläge das MKFFI der Zivilgesellschaft vorlegen und welche Beteiligungsmöglichkeiten diese für sich beanspruchen wird. Foto: Jonas Schlienkamp [...]
lhoseit25. Januar 2023100 zivilgesellschaftliche Organisationen fordern fortschrittlichere Antidiskriminierungsrechte und tiefgreifende Reformen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Heute hat der SmF-Bundesverband gemeinsam mit den anderen Organisationen als zivilgesellschaftliches Bündnis „AGG Reform-Jetzt!“ eine umfassende Ergänzungsliste zum Gesetz sowie eine Stellungnahme mit 11 zentralen Forderungen vorgestellt, welche an die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung übergeben wird. Die Forderungen sollen das Bundesjustizministerium dazu aufrufen, diese bei der AGG- Reform zu berücksichtigen. Denn der Diskriminierungsschutz des AGG greift nicht im Bereich des staatlichen Handelns. Somit bleibt das AGG hinter den Vorgaben der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien zurück. Im Folgenden möchten wir die Punkte der gemeinsame Stellungnahme besonders hervorheben: Punkt 1: Anwendungsbereich auf öffentliche Stellen ausweiten „Es ist für Bürger*innen schlicht nicht nachvollziehbar, warum ein schwächerer Diskriminierungsschutz besteht, wenn die Diskriminierung vom Staat ausgeht als von privaten Unternehmen. Dabei sollte angesichts der Vorbildfunktion des Staates ein Erst-Recht-Schluss gelten. Diskriminierungen im Bereich der Ämter und Behörden werden von Betroffenen als besonders gravierend empfunden, da sie im Namen des Staates erfolgen und in einem Kontext stattfinden, der von einem hohen Machtgefälle und Abhängigkeitsverhältnis geprägt ist. Die Aufnahme des staatlichen Handelns in das AGG stärkt den aktiven Umgang mit Diskriminierung, erhöht die Rechtssicherheit für alle und befähigt Betroffene ihre demokratischen Rechte einzufordern. Neben dieser Erweiterung des Diskriminierungsschutzes auf öffentliche Stellen braucht es proaktive Maßnahmen zur Erreichung von Chancengleichheit.“ Unsere geschäftsführende Vorstandsvorsitzende, Ayten Kılıçarslan kommentiert: „Wir begrüßen den Aufbau neuer Antidiskriminierungsberatungsstellen und die Aufnahme neuer Träger:innen, um den Zielgruppen den flächendeckenden Zugang zu zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen gegen Diskriminierung erleichtern zu können“. Punkt 2: Rechtsdurchsetzung stärken u.a. durch Einführung einer Verbandsklage „Angesichts der hohen Hürden beim gerichtlichen Diskriminierungsschutz ist eine Stärkung der Rechtsdurchsetzung dringend geboten, damit Betroffene ihr Recht auf Gleichbehandlung effektiv in Anspruch nehmen können. In der gemeinsamen Stellungnahme werden hierzu folgende Maßnahmen, allen voran die Einführung eines kollektiven Rechtschutzes beschrieben: a) Etablierung eines kollektiven Rechtsschutzes b) Einrichtung eines Rechtshilfefonds c) Auskunftsansprüche für Antidiskriminierungsverbände Für Antidiskriminierungsverbände sollte ein Auskunftsrecht gesetzlich verankert werden, um die Rechte von Betroffenen zu stärken. d) Senkung der Anforderungen an Antidiskriminierungsverbände Zivilgesellschaftliche Antidiskriminierungsberatungsstellen beraten Betroffene von Diskriminierung parteilich, vertraulich und kostenlos, da die Beratung durch öffentliche, befristete Projektförderung finanziert wird. e) Gesetzliche Verankerung von Antidiskriminierungsberatung Aktuell gibt es nur in wenigen Bundesländern ausreichend Antidiskriminierungsberatungsstellen. Dadurch sind Betroffene mit der erfahrenen Diskriminierung oftmals allein gelassen. Es muss sichergestellt werden, dass allen Betroffenen von Diskriminierung ein wohnortnahes Beratungsangebot zur Verfügung steht. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes muss gemeinsam mit den Bundesländern dieses Angebot aus- und aufbauen und finanziell absichern, so wie es im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. Im AGG sollte ein gesetzlicher Förderauftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes für die nachhaltige Finanzierung von unabhängiger, zivilgesellschaftlicher Antidiskriminierungsberatung verankert werden.“ Neben diesen Maßnahmen unterstützen wir die Forderung nach einer Erweiterung der Diskriminierungskategorien. Durch die Aufnahme weiterer beziehungsweise konkreterer Diskriminierungskategorien im AGG sollen bestehende Schutzlücken geschlossen werden. Zu diesen Schutzlücken zählen sozialer Status, Sprache, Staatsangehörigkeit, chronische Krankheit, Körpergewicht sowie familiäre Fürsorgeverantwortung. Die Einführung eines offenen Katalogs im AGG ist erforderlich, um gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen.   Zu Punkt 5: Diskriminierungsformen erweitern „Die in § 3 AGG genannten fünf Diskriminierungsformen sind in der Praxis nicht ausreichend, um alle Diskriminierungen zu erfassen und müssen daher erweitert werden. a) Versagung von „angemessenen Vorkehrungen“ und der „Barrierefreiheit“ als Form von Diskriminierung definieren Die Barrierefreiheit zielt darauf ab, durch die Einhaltung von Kriterien zur Barrierefreiheit, einer Vielzahl von Menschen mit Behinderungen den Zugang etwa zu einer Dienstleistung zu ermöglichen. Angemessene Vorkehrungen wiederum sollen Menschen mit Behinderungen im Einzelfall die Hilfestellung zukommen zu lassen, die in der konkreten Situation benötigt wird.“ Als SmF-Bundesverband verstehen wir unter Barrierefreiheit auch den barrierefreien Zugang zu Informationen und Dienstleistungen. “Die Inhalte des AGG müssen für alle Bürger:innen in leicht verständlicher Sprache zugänglich sein.  Hier sehen wir die Machtstrukturen in der Verantwortung. Zudem müssen Alle zu ihrem Recht kommen. Dafür brauchen wir insbesondere leicht zugängliche Antidiskriminierungsberatungsstellen für besondere Zielgruppen”, fordert Kılıçarslan.         b) Schutz vor sexueller Belästigung auch im Zivilrechtsverkehr sicherstellen       c)Erweiterung um die assoziierte Diskriminierung Der im AGG zugrunde gelegte Diskriminierungsbegriff muss an die Rechtsprechung des EuGH angepasst und um die assoziierte Diskriminierung erweitert werden, damit auch Fälle drittbezogener Diskriminierung vom AGG erfasst sind. So können Personen, die ein enges Näheverhältnis zu der von Diskriminierung betroffenen Person haben, wie dies in der Regel der Fall ist bei Elternschaft, Lebenspartner*innen, Geschwistern und Kindern, ebenso Ansprüche auf Schadensersatz- und Entschädigungsansprüche geltend machen, auch wenn sie nicht selbst aufgrund einer AGG-Kategorie Diskriminierung erfahren haben.“ Punkt 6: Geltendmachungsfrist anheben „Die sehr kurze Geltendmachungsfrist von 2 Monaten im AGG hat in der Vergangenheit maßgeblich dazu beigetragen, die Rechtsdurchsetzung zu behindern beziehungsweise zu verunmöglichen. Die vorherige Bundesregierung hatte bereits in der letzten Legislatur beschlossen, die Frist des AGG von 2 Monaten auf 6 Monate zu verlängern. Die Frist sollte jedoch auf mindestens 12 Monate angehoben werden.“ Die vollständige Stellungnahme des advd kann unter folgendem Link eingesehen werden: https://www.antidiskriminierung.org/  Als SmF-Bundesverband arbeiten wir mit unseren Mitgliedsorganisationen daran, ein besseres Zusammenleben in Deutschland zu erreichen und präventiv gegen jegliche Form von Rassismus und Diskriminierung vorzugehen. Ein erster wichtiger Schritt ist es, das Phänomen zu verstehen, um anschließend aktiv entgegenwirken zu können. Um die Sichtbarkeit für das Phänomen zu erhöhen und die von Rassismus und Diskriminierung Betroffenen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, haben wir 2021 eine Umfrage gestartet. In dieser Umfrage berichteten ehrenamtlich arbeitende Pat:innen und Mentor:innen mit eigener Migrationsbiografie von ihren Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung bei sich und ihren betreuten Mentees. An dieser Befragung nahmen insgesamt 435 Pat:innen bundesweit ab 14 Jahren teil und berichteten über ihre eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen von 969 Mentees.   Hier geht es zu unserer Umfrage: https://smf-verband.de/wp-content/uploads/2022/07/SmF_Analyse_AntiDis-2.pdf [...]
Verband3. Januar 2023(Bild von Michael Pfaff: Museum für islamische Kunst Berlin)   Das Projekt “Muslimische Spuren in deutscher Heimat” des SmF-Bundesverbandes geht ins dritte Jahr. Können wir die Aktionen von 2021 und 2022 noch toppen? Wir denken, ja! Denn wir haben nun ein verstärktes Team und für 2023 viel vor. Aber der Reihe nach: Was war bisher los im SmF-Heimatprojekt? Durch Corona ausgebremst Im Jahr 2021 waren wir mit Jugendworkshops und Exkursionen in und um Köln gestartet. Voller Tatendran, aber mit von Corona gezogener Handbremse. Und doch haben wir es geschafft, eine spannende Bildungsreise für Jugendliche nach Berlin, Potsdam und Dresden umzusetzen. Und im Hintergrund lief permanent die Recherche-Maschinerie. Was dabei herausgekommen ist, könnt Ihr in unserem Podcast nachhören und einiges davon auf unserer Website nachlesen. Voll durchgestartet Im Jahr 2022 dann haben wir unser Angebot auf die Projektstandorte Kempten (Allgäu) und Stuttgart erweitert. In 16 Jugendworkshops, sechs Exkursionen und drei Bildungsreisen nach München und Berlin sind wir auf Spurensuche gegangen. Wo sind wir nicht alles gewesen! Eine Führung über gefangene Muslim:innen im KZ-Dachau, die Wilhelma in Stuttgart mit ihren orientalischen Elementen, die Ausstellung zur “Türkenbeute” im Landesmuseum Karlsruhe, die älteste noch bestehende Moschee in Berlin-Wilmersdorf, Besuche beim Sufi-Orden der Burhaniya in München, beim Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen, bei der Islam-Akademie in Berlin und und und. Es war so ziemlich alles dabei. Und das Beste: Viele (ohne Übertreibung) begeisterte, junge Menschen, die sich kennengelernt haben. Als sie entdeckten, wie lange und wie stark der Islam und Muslime schon ein Teil der deutschen Geschichte und Gegenwart sind, hörten wir einen Satz immer wieder: “Das habe ich alles gar nicht gewusst. Super spannend!” Von den ersten Muslimen bei Karl dem Großen im Jahr 777 bis heute – da kommt einiges an Orten, Ereignissen und Menschen zusammen, die es (wieder) zu entdecken gilt. Ausstellungen und Buch in Arbeit Im Jahr 2023 kommt es noch besser. Die Jugendworkshops, Exkursionen und Bildungsreisen gehen weiter. Und wir planen Ausstellungen zu Muslimischen Spuren in Deutschland. Die Vorbereitungen zu unserem Buch mit all den Muslimischen Spuren in Deutschland, die wir schon besucht haben und hoffentlich noch besuchen werden, sind in vollem Gange. Der Podcast geht in vermindertem Tempo weiter und bekommt einen jungen und frischen Begleiter als Update. Wir wollen unser Team mit jungen Menschen verstärken, die aus ihrer Perspektive Deutschland und ihre jeweilige Heimatstadt als Heimat von Muslim:innen bereisen, mit neuem Blick kennenlernen und schildern. Folge uns Muslimische Spuren in deutscher Heimat 2023: Das wird ein spannendes Projektjahr! Höre unseren Podcast, besuche uns auf unserer Website, folge uns auf Instagram und wenn Du in Köln, Kempten oder Stuttgart wohnst: Mach mit bei unseren Jugendworkshops und Exkursionen! Du wirst Dich wundern! Zur Website geht es hier. Für den Podcast klicke hier. Auf Instagram findest Du uns über muslimische.spuren Kontaktiere uns per E-Mail über muslimische-spuren@smf-verband.de [...]

Angebote

Patenschaft - Praxis - Qualifizierung

Menschen stärken Menschen durch Patenschaften

Bunt vernetzt. Bundesweites Pat:innenschaftsprojekt zur Begleitung und Unterstützung benachteiligter Personengruppen.

Frauen stärken Frauen – gegen Radikalisierung

Stark in die Zukunft. Präventionsprojekt für junge Mädchen und Frauen. Gegen religiös begründeten Extremismus.

Muslimische Spuren in deutscher Heimat

Geschichte mit Vielfalt. Projekt zur Förderung des Interesses der vielfältigen Heimatsgeschichte durch Begegnungen muslimischer Spuren in Deutschland.

Gemeinsam stark

Hand in Hand. Begegnungen zwischen Ukrainer:innen, Geflüchteten und Migrant:innen aus anderen Ländern schaffen und Partizipation fördern.

Gewaltprevention

Stopp zur Gewalt. Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten zur Vorbeugung gegen Gewalt.

Väterarbeit

Starker Vater. Maßnahmen zur Stärkung der Vater-Kind-Beziehung und zur Unterstützung der Erfüllung ihrer Vaterrolle.